Biblisches Wort

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.Hebräer 11 Vers 1
Die Glaubensdefinition, die im Monatsspruch angeboten wird, ist einseitig vom Menschen aus formuliert. Zudem ist die Perspektive der Definition jenseitsorientiert, hat den Gegenwartscharakter christlichen Glaubens nicht im Blick. Von daher ist die Beschreibung des Glaubens in dem Vers des Hebräerbriefes unpräzise und vertröstend.

Dennoch vermute ich, dass viele Menschen geneigt sind, dieser Beschreibung zuzustimmen: Eine Meinung steht unverrückbar fest. Die Hoffnung, die ein Mensch hat, ist unerschütterlich. Zuversichtlich hält dieser Mensch an seiner Hoffnung fest, komme was wolle. Der Inhalt des Glaubens ist verborgen, so dass dieser Glaube gezwungen ist, dem Unsichtbaren zu vertrauen, jeden Zweifel an der Existenz des Unsichtbaren zu unterdrücken, zu vermeiden.

In der Situation der Leser des Hebräerbriefes wird diese Art, vom Glauben zu reden, tröstlich gewesen sein. Die Gemeinde in der Verfolgung setzt all ihre Hoffnung auf die zukünftige Welt, eine übersinnliche Welt, in der die Hoffnung ihre Verwirklichung finden wird.

Christlicher Glaube ist jedoch viel mehr als Hoffnung auf die Zukunft und als das Nichtzweifeln am Unsichtbaren. Christlicher Glaube ist das Geschenk Gottes an uns. Gott schenkt dem Menschen den Glauben, der den Menschen hier und heute befreit zu einem Leben in der Gewissheit der Erlösung und Rechtfertigung. Im Leben des Glaubenden wird erfahrbar, spürbar, ja sichtbar, dass Gott sein Leben segnet. Jesus ist Mensch geworden. Er hat sich gezeigt in seinem Vertrauen auf Gott. Er hat Kranke geheilt und sich den Armen zugewandt. Er hat für uns gelitten, ist für uns gestorben und ist uns zum Heil von den Toten auferweckt worden. Wer an ihn glaubt, der hat das wahre Leben, schon hier und jetzt.

Dieser Glaube wird nach christlicher Auffassung erkennbar, sichtbar, denn er ist in der Liebe tätig. Er erweist sich im täglichen Leben der Glaubenden als gegenwärtig wirksam.

Es ist aber der Glaube eine Kraft, die hoffnungsfroh das Leben ergreifen lässt. Der Glaube ist das Geschenk Gottes an uns Menschen, das uns befähigt, selbst in den unscheinbaren Dingen IHN am Werke zu sehen. Der Glaube vertraut darauf, dass wir in Gottes Hand sind, im Leben und auch im Sterben.

Johannes Heyne