Biblisches Wort

Liebe Gemeinde,
jetzt, da die Tage kurz geworden sind und es früh noch lange stockfinster ist, stehe ich jeden Morgen vor einem Dilemma: Nachttrunken entscheide ich mich dann, nicht den ersten Blick in die helle Lampe zu werfen, sondern mache mich vorsichtig auf den Weg in den helleren Flur.
Absolute Dunkelheit erwartet mich, wenn ich die Augen öffne und so macht es für meine Sicht keinen Unterschied, ob ich sie wieder schließe. Doch da ich mir ein-bilde, dass mein Tastsinn ausgeprägter ist, wenn meine Augen geschlossen sind, lasse ich die Lieder fallen und mache mich tastend auf die Odyssee in Richtung Tür. Es ist eigentlich kein langer Weg, aber wer schon einmal im Halbschlaf 10 Meter zurückgelegt hat, weiß um die Mühsal jeden Schrittes.
Seit einigen Monaten steht nun auf dem direkten Weg zur Tür eine neue Kommo-de, die in der Dunkelheit ein wunderbares Hindernis darstellt, was es für mich jeden Morgen zu überwinden – oder besser zu umwanken – gilt. Sie umzustellen kommt leider nicht in Frage. Und so weiß ich zwar in etwa, wo die Kommode im Weg steht, kann mich aber in absoluter Finsternis und Nachttrunkenheit nicht auf mein innerliches Koordinatensystem verlassen. Also taste ich mich zwischen Wand und Kommode entlang, sorgsam die Kanten und Ecken erfühlend. Mein Knie und mein Zeh, die diesem Hindernis unter lautem Aufschrei von mir bereits zum Opfer fielen, danken mir meine Vorsicht.

Der Prophet Jesaja hat für das Leben in Dunkelheit eine einfache Antwort: Ver-traut auf den Namen des Herrn und verlass Dich auf Deinen Gott.
Natürlich lebe ich nicht in absoluter Dunkelheit, doch bekomme ich jede Nacht ein Gespür dafür, was es heißt in Dunkelheit zu sein; wenn kein Licht leuchtet und ich nichts sehen kann. Gerne würde ich mich dann ausschließlich auf Gott und nicht auch noch auf meinen Tastsinn verlassen. Doch habe ich die große Sorge, dass mein Fuß bei der nächsten Kollision mit dem harten Holz nicht so glimpflich da-vonkommen wird.

Und so taste ich mich weiter voran. Ich weiß, um das große Hindernis, dass mich in der Dunkelheit erwartet und versuche diesem bestmöglich auszuweichen, um heil zu bleiben. Ich verlasse mich auf mein Gefühl und mein Wissen. Doch nicht nur! Denn alle anderen un(vorher)gesehenen Hindernisse, die ich oder andere auf meinem Weg durchs Dunkel hinterlassen haben, sehe ich nicht. Ich verlasse mich darauf, dass ich trotz Dunkelheit gesund an mein Ziel komme. Ich bin mir sicher, dass mir das gelingt und weiß, dass das nicht mein Verdienst ist.
Denn in der Dunkelheit kann ich auf das kleine und stetig wachsende Licht ver-trauen, dass mich wohlbehalten ankommen lässt. Es ist ein großes Glück, dass wir uns in der Dunkelheit nicht fürchten und auf Gott verlassen können.

Eine gesegnete Adventszeit und Weihnachtszeit Ihnen allen!