Biblisches Wort

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören,
langsam zum Reden, langsam zum Zorn.
Jak 1,19 (L)

Ja, schon richtig, eigentlich heißt es Augenhöhe.
Aber was hilft so sehr zur Augenhöhe wie Worte, die eine neue Sicht öffnen?
Die "Ohren-Höhe" macht ein Gespräch erst fruchtbar.

Versteht es sich da nicht von selbst, dass wir einander zuhören, miteinander reden und einander respektvoll begegnen?

Im Monatsspruch klingen allerdings auch schlechte Erfahrungen mit. Und nicht zu
Unrecht: Wie schnell überhören wir wichtige Zwischentöne. Wie schnell sprudeln die Worte unbedacht aus uns heraus und wie häufig steigern wir uns in Frust und Zorn hinein.

Begreifen wir die "Ohren-Höhe" jedoch als Chance, kann es zu einem echten
Gespräch kommen. Beispiele dafür erleben wir jeden Tag. Da kommen Menschen
unterschiedlicher Herkunft und mit verschiedenen Herausforderungen miteinander ins Gespräch. Da hören Menschen aufeinander und sind bereit, voneinander zu lernen. Menschen hören nicht nur zu, sondern lassen dem Gehörten Taten folgen.

Aber es gibt auch andere Beispiele. Wann hören wir alle endlich der jungen Generation zu, die beharrlich und völlig zu Recht eine Veränderung unseres Zusammenlebens einfordert?

Noch haben wir die Chance dazu, den Klimawandel wenigstens zu begrenzen.
Ohren-Höhe" verbindet Menschen. Lernen und verändert handeln kann nur, wer sich auf "Ohren-Höhe" mit anderen begibt, denen er begegnet. Natürlich, wer mit anderen redet, hört auch Manches, was ihn vielleicht aufregt. Doch dort, wo wir achtsam aufein-ander hören, können Worte reguliert und Zorn gebremst werden. Dort entdecken wir die Chance, so manche festgefahrenen Gedankengänge und Vorurteile zu verändern.

Und auch das jüdische Glaubensbekenntnis, das Glaubensbekenntnis Jesu, beginnt mit den Worten „Höre, Israel…“ Hören verbindet auch mit Gott. Und das Zuhören gelingt sicherlich noch besser, wenn unsere Worte freundlich sind wie Honigseim, was an dieser Stelle im vergangenen Monat Paul Bismarck schön ausgelegt hat.

Ob uns ein freundliches Zuhören gelingt, liegt sicherlich nicht bloß an uns selber, aber eben auch. Versuchen Sie doch, in diesem Sommer der Weisung des Monatsspruches zu folgen und hören achtsam zu, nach innen und nach außen!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine fruchtbare und interessante Sommerzeit! Ihr

Alexander Tschernig