Biblisches Wort


Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit
über euch regnen lässt!
Hos 10,12Liebe Gemeinde,
man erntet, was man sät. Das also, was ich in die Erde mit der Hoffnung gebe, dass es gute Frucht bringen soll, steht im direkten Zusammenhang zu dem, was ich am Ende letztlich ernten werde. Der Prophet Hosea spricht davon und auch Paulus rekurriert auf diese Weisheit und schreibt im Galaterbrief: „Was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten“. Eine gute Saat bringt gute Frucht und eine verdorbene Saat bringt schlechte Frucht. Das klingt nach einer einfachen Rechnung, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht!

Hier spielen natürlich viele Faktoren eine Rolle. Zum einen die Pflege, die Sonne und das Wetter, ja die Liebe, die ich dem kleinen neuen Leben spende, damit es wachsen und gedeihen kann. Zum anderen der Unterschied zwischen Saat und Frucht. Denn das, was ich in die Erde hineingebe, steht zwar im Zusammenhang mit der Frucht, ist mit dieser aber selbstverständlich nicht identisch. Ein paar Dinge aber sind einer jeden guten Saat zu eigen: Da wäre die Liebe und Fürsorge, die mit der neuen Saat einhergeht: diese vor Schädlingen, vor Unwetter zu schützen und ihr Platz zum Leben und Atmen zu schaffen. Da wären der damit verbundene Eifer und die Arbeit, die mit der Bebauung einer neuen Saat einhergeht. Ohne stets Unkraut zu jäten, kann das neue Leben nicht gedeihen und ohne Wasser nicht wachsen. Denn mit dem Ausbringen der Saat ist es ja nicht getan, denn dann fängt die Arbeit erst an. Alle die, die einen Garten haben und alle LandwirtInnen können davon ein Lied singen.

Und dann ist da noch die wichtigste Zutat: Die Hoffnung. Denn ich kann der Saat zwar gute Bedingungen schaffen, kann alles dafür tun, dass sie bestmöglich aufgehen kann, doch letztlich verfüge ich nicht darüber, ob sie gute Frucht bringt oder nicht. Es ist neues Leben und dieses wächst und gedeiht. Und wie und ob es gute Frucht bringt, liegt dann außerhalb meiner Hände.

Der Prophet Hosea fordert uns auf zu säen. Wir sollen Gerechtigkeit säen und nach dem Maß der Liebe ernten. Dies ist eine schwere Aufgabe, denn ich weiß, wie komplex und individuell es ist überall Gerechtigkeit zu säen, mich anderen gegenüber gerecht zu verhalten. Dafür muss ich, der ich viel habe, abgeben und zuhören, denen, die viel zu wenig haben. Und dass beginnt bereits im Supermarkt bei der Wahl der Schokolade, die ich kaufe: fair, gerecht und teurer oder ungerecht und billiger.

Dann soll ich bei der Ernte noch Maß halten. Soll nicht zu viel verlangen und für mich nehmen. Die Ernte sei nach dem Maß der Liebe und diese kennt kein Zu-viel. Sie bedeutet maßvolles Ernten. Und auch das fällt mir immer wieder schwer mit dem Blick auf die saftigen Früchte, die ich alle noch erreichen kann und mir einverleiben will.

Das rechte Säen und Ernten, von einer guten Saat für eine gute Frucht, fällt mir sehr schwer. Zu maßlos bin ich und auch zu ungeduldig die Ernte abzuwarten. Doch ich möchte es versuchen. Mit all meiner Kraft und im Gebet um diese Kraft vor meinem Herrn. Er hilft mir Maß zu halten. Mehr kann ich nicht tun und dann kann ich hoffen, dass ich gerecht gesät habe und nach dem Maß der Liebe ernten werde.

Zeit haben wir bis zum Kommen unseres Herrn, der die Gerechtigkeit über uns regnen lassen wird.

Ihr Pfarrer Paul Bismarck