Biblisches Wort

Suche Frieden und jage ihm nach! Psalm 34,15

Mindestens zu Weihnachten kommen viele Familien zusammen. Alle wohnen inzwischen weit verstreut. Wenn sie dann um einen Tisch sitzen, trifft Vieles aufeinander. Unsichtbar mit dabei ist häufig der Wunsch, es möge doch alles friedlich und harmonisch zugehen und bitte kein Thema zur Sprache kommen, bei dem der Konflikt schon vorprogrammiert ist. Was tun wir nicht alles „um des lieben Friedens willen“? Wie viel wird unter den Teppich gekehrt? Da kann es so lange liegen, bis irgendwer irgendwann darüber stolpert. Dann ist es schnell um den „lieben Frieden“ geschehen. Er ist kein Dauergast, der einfach so mit am Tisch sitzt und ein friedliches Miteinander garantiert. Weder in unseren Familien und unserer Gesellschaft, noch in unserer Welt, auch nicht in unseren Kirchen und Gemeinden. Überall erleben wir, wie zerbrechlich und flüchtig der Friede ist. Wie leichtfertig und oft auch unbedacht wir ihn aufs Spiel setzen. Der Verdacht legt sich nahe, dass so viel von ihm geredet wird, weil wir ihn so sehr vermissen, und es an allen Ecken und Enden brennt. „Suche Frieden und jage ihm nach!“. Die Jahreslosung für 2019. Formuliert in widersprüchlicher Sprache. Ist es möglich, den Frieden zu „jagen“?

Im hebräischen Denken bedeutet „Frieden“ weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg, auch keine Friedhofsruhe. „Schalom“ meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. „Schalom“ ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung. Nur: im Jahr 2018 erlebten wir zu viel Sonne bei viel zu wenig Regen. Der Klimawandel. Wenn wir nicht alle schnell und bemerkbar unsere Lebensweise verändern, untergraben wir die Basis für jeglichen Frieden. Die Kapernaum-Gemeinde steigt gegenwärtig für Gemeindeveranstaltungen von „Mineralwasser“ auf Leitungswasser um. Wir wollen unsere Beteiligung an völlig unsinniger Verschwendung von Ressourcen, unnötiger Plastikmüllproduktion und überflüssigem CO2 Ausstoß verringern. Tun Sie das doch auch?! Die Friedensbotschaft ist Kern vieler biblischer Erwartungen. Beim Propheten Micha klingt das so: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“. In unruhiger Zeit wissen wir alle: Der Friede ist noch weit entfernt. Die Aufgaben sind vielfältig und groß. Der Tonfall ist rauer geworden. In der Politik, in der Gesellschaft -in unseren Gemeinden auch? Der Friede ist unser aller Aufgabe. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine friedliche Advents- und Weihnachtszeit – und einen friedlichen Jahreswechsel! Gott sei mit uns allen!
Ihr
Alexander Tschernig