Biblisches Wort

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu und dient ihm allein.
1. Sam 7,3 (E)

Die Frage „Cui bono?“, also „wem dient etwas zum Vorteil?“, ist ein geflügeltes Wort, mit dem die Frage nach den Nutznießern bestimmter Ereignisse oder Handlungen, beispielsweise von Verbrechen oder auch politischen Entscheidun-gen, gestellt wird. Diese Frage kann uns helfen, in besonders unverständlichen Situationen wenigstens eine Ahnung über die wirklichen Zusammenhänge zu bekommen. Wem dient beispielsweise der „Brexit“, den wir in diesem Monat ver-mutlich erleben werden? Mit Sicherheit keinen großen Mehrheiten. Wohl eher ausgesprochen egoistischen Eliten, die nicht länger bereit sind, ihren Wohlstand solidarisch zu teilen und die dafür sogar ihr eigenes Land schwer beschädigen.
Der Monatsspruch stammt aus einer ganz anderen Zeit. Damals gab es einen innerisraelischen Konflikt um die Frage, welcher Gottheit insgesamt gedient wer-den sollte. Wem sollten Tempel gebaut und Opfer dargebracht werden? Allein dem Gott Jahwe? Oder auch der Mutter und Fruchtbarkeitsgöttin Aschera, die sich im alten Israel – grade unter Frauen – größter Beliebtheit erfreute?
Diese Geschichten sind sehr weit von unserer gegenwärtigen Welt entfernt. Nicht nur sind uns die Konflikte unbekannt. Benötigt Gott, Quelle allen Lebens und allen Seins, Ursprung dieses und vielleicht noch weiterer Universen, braucht Gott un-sere Anbetung, unsere Verehrung, unseren Dienst? Zieht Gott daraus einen Vor-teil? Ich denke, dass solch eine Vorstellung Gott sehr klein macht.
Auf der anderen Seite hat Jesus Gott ausgelegt als enorm menschenfreundliche und lebensbejahende Kraftquelle. Als eine Lebens- und Kraftquelle, die nicht einmal am Tod eine Grenze findet, die in jedem Fall das Leben will. „Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie Dich selbst“, war seine oberste Handlungsmaxime.
Dienst an Gott ist dann das inspirierte Einstimmen in den Klang des Lebens in seinen unendlich vielen Varianten. Vor dem Hintergrund dieses Verständnisses stellt sich dann natürlich auch an uns die Frage, in wessen Dienst WIR UNS mit unseren Entscheidungen, Handlungen, Haltungen, Absichten, Gedanken und Wünschen stellen.
Der Klimawandel ist ein Testfall dafür, wem wir ernsthaft dienen: nur den eigenen Interessen - oder Zielen, die dem Leben aller auf der Erde dienen? Dienen in diesem Sinne dann nicht viele Menschen, die das Leben auf der Erde schützen und bewahren möchten, allesamt Gott? Auch, wenn sie gar nicht religiös sind? Im Sinne Jesu, so wie ich ihn verstehe, denke ich, dass die Antwort darauf „Ja“ lau-tet.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine bedachtsame Passionszeit!
Ihr
Alexander Tschernig