Biblisches Wort



Es lohnt sich, sich im Sommer an die Jahreslosung zu erinnern: Gott verspricht den Durstigen, von der Quelle des Lebendigen Wassers. (Offenbarung 21, 6)

Wenn wir an warmen Tagen wirklich Durst haben, wird viel anschaulicher, was die Jahreslosung bedeutet: Da ist von einer körperlichen Sehnsucht nach Gott die Rede, ja, es kann richtig bedrohlich werden, wenn kein Wasser da ist. Auf diese Dringlichkeit antwortet Gott mit dem Versprechen: da ist eine Quelle. Als Jesus zu einer Frau in Samaria von diesem lebendigen Wasser gesprochen hat, hat sie geantwortet: „Gib mir solches Wasser!“
Ja, wie finden wir diese Quelle, die uns erfrischt, nährt und das Leben lebenswert macht?

Pfarrer Heinrich Henrici versammelte in seinem hessischen Dorf Bonames im 17. Jahrhundert die Jugendlichen gegen Ende der Schulzeit im Pfarrhaus und unterrichtete sie in den Grundlagen des christlichen Glaubens. Er führte damit die Konfirmation ein. Die Jugendlichen wurden damals mit dem Eintritt ins Berufsleben zum Abendmahl zugelassen. Pfarrer Henrici stellte sie zuvor der Gemeinde in einem Gottesdienst vor und ließ sie öffentlich bekräftigen, dass sie zu Jesus Christus gehören wollten. Die ganze Gemeinde wurde durch dieses öffentliche Bekenntnis an ihre Taufe erinnert und an ihre Verbindung mit Gott. Der zuständige Vorgesetzte für Pfarrer Henrici war Philipp Jacob Spener. Der war begeistert von der Idee seines Amtsbruders, nahm er doch in der Kirche wahr, dass das Christentum zu „äußerlicher Kirchgängerei“ verkommen sei. Spener formulierte in seiner Schrift „Pia desideria“ den frommen Wunsch, dass die Gläubigen wieder ernsthafter nach Gottes Willen fragen und damit zur Quelle des lebendigen Wassers finden sollten. Er begründete eine Bewegung, die die Kirche seiner Zeit prägen sollte: den Pietismus.

Die öffentliche Konfirmation diente Spener als Beispiel für das, worauf er hinaus wollte. Die Jugendlichen sind Vorbild für die gesamte Gemeinde: weil sie sich damit auseinandersetzen, was ihr Glaube für ihr Leben bedeutete.

In den 350 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat sich die Konfirmation als Teil des evangelischen Glaubensweges etabliert. Können wir heute immer noch mit Spener die Konfirmand/innen als Vorbild für alle Gläubigen verstehen?

Ich finde: Ja – und das in doppelter Hinsicht. Die Jugendlichen bekennen mit der Konfirmation ihren christlichen Glauben – und das heißt: sie bringen in Worte, was sie glauben und wie sie ihre Beziehung zu Gott, Jesus Christus und dem Heiligen Geist verstehen.Die Jugendlichen bekräftigen mit der Konfirmation ihr JA zu ihrer Taufe. Das bedeutet, sie nehmen für sich an, was ihnen in ihrer Taufe zugesagt ist: dass Gott sie bedingungslos liebt. Sie entscheiden sich, dass sie an dieser Quelle leben wollen.Wenn wir mit der Konfirmation in diesem Jahr um Segen für die neun Jugendlichen beten, die sich im Wedding konfirmieren lassen wollen, dann verbinde ich damit den Wunsch, dass sie in ihrem Leben Zugang zur Quelle des lebendigen Wassers finden.

Ihre Pfarrerin Marita Lersner