Biblisches Wort

Viele werden kommen aus Ost und West und aus Nord und Süd. Und sie werden zu Tisch sitzen im Reich Gottes.
Siehe: Die jetzt bei den Letzten sind, werden dann die Ersten sein. Und die jetzt bei den Ersten sind, werden dann die Letzten sein.Lukas 13, 29-30
Die Einladung ist längst ausgesprochen. Der Termin steht noch nicht fest. Aber wir dürfen schon die Vorfreude in uns aufkommen lassen: Gott hat zum großen Festmahl geladen.
Es wird ein ganz besonderes Festmahl sein, das Gott für uns ausgerichtet hat. Eine lange Tafel, im Abendlicht, glänzende Gläser, das Brot duftet frisch gebacken. Da ist Platz für alle und wir sind alle willkommen:
Der, der allabendlich die Bäckereien abgeklappert hat, um Brot zu den Armen zu bringen, egal, ob es kalt und nass war und ob er selbst krank war - der wird an dieser Tafel einen Ehrenplatz haben; er wird von den anderen bedient. Alle lesen ihm die Wünsche von den Lippen ab.
Und der, der selten einmal öffentlich seine Stimme erhoben hat, weil er meint, sein Deutsch sei doch nicht gut genug dafür – der wird eine lange Tischrede halten und viel Erstaunen und Bewunderung ernten.
Und die, die sonst gerne das Wort führte und anderen über den Mund fuhr - die wird an dieser Tafel nur schweigen und staunen und sich hineinnehmen lassen in den Klang des Abends.
Und die, die sich sonst nur im Hintergrund gehalten hat mit ihren Decken und Taschen und ihrer Aura, an der man das Leben auf der Straße spüren kann – die wird im Mittelpunkt sitzen. Alle wollen unbedingt in ihrer Nähe sein und die Schalen mit Köstlichkeiten mit ihr teilen.
Und die Alles-Richtigmacher, die nie falsch geparkt haben und die auch sonst niemals falsch abgebogen sind im Leben, sitzen, sagen wir, zwischen den Stühlen. Und finden dann doch, irgendwann, ihren Platz. Ihre strengen Gedanken werden allmählich weich. Sie selbst werden weich. Und schlagen ein wenig über die Stränge.
Und Gottes Antlitz wird leuchten über seinen Gästen. Gottes Antlitz wird auf ihren Gesichtern leuchten und durch sie hindurch. Es wird ein strahlendes Fest werden im Reich Gottes.
Wir dürfen die Vorfreude schon in uns aufkommen lassen. Wir dürfen uns bereit machen für dieses Fest. Ja wir dürfen sogar vorglühen, ein wenig von dem guten Wein und dem guten Brot schon vorab kosten. Wenn wir uns im Gottesdienst um den Abendmahlstisch versammeln. Oder um den Kaffee und die trockenen Kekse. Dann dürfen wir schon etwas ahnen, vom Leuchten Gottes in den Gesichtern der anderen. Wir dürfen schon vorwegnehmen, was uns einstmals erwartet: Die unter uns, die die Letzten sind, die werden die Ersten sein. Und die Ersten werden die Letzten sein.

Und Gott sieht alle an und erhebt sein Glas: Auf Euch!

Marita Lersner