Biblisches Wort

Liebe LeserInnen,
das ist eine bemerkenswerte Losung für den Oktober 2019. Zum Einen, weil sie – als einzige unter den zwölf Monatslosungen – einem apokryphen, also nur „halb-kanonischen“ Buch der Bibel entnommen ist: dem Buch „Tobit“ oder auch „Tobias“. Zum Anderen, weil sie eine Aufforderung formuliert, die wir eher nicht gewohnt sind, als Leitmotiv uns gesagt sein zu lassen: Materielles zu geben, genauerhin: Almosen zu geben.

Möglicherweise haben wir ja schon Schwierigkeiten mit dem Wort – Almosen. Das hat keinen guten, hat einen eher abwertenden Klang in unseren Ohren - anders als zu Zeiten des Alten und auch des Neuen Testamentes.
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Mitleid, das Fürsorge für die Armen in Form von Geld oder Sachwerten veranlaßt“. Und die Sache hatte einen hohen Stellenwert in der praktizierten Religiosität: sie galt als eine der wesentlichen unter den Glaubens-veranlaßten, frommen Betätigungen und besaß Rechtsverbindlichkeit: Bedürftige konnten Anspruch darauf erheben.

Nun können wir uns sagen, daß soziale Versorgung und Absicherung heutigentags und in unserer Gesellschaft im Grunde anders, weniger direkt-mitmenschlich geregelt sind. Das ist sicher richtig. Aber daß es darum keine Bedürftigkeit mehr gäbe, die uns begegnet, unser gläubiges wie soziales Empfinden anspricht und entsprechendes Handeln herausfordert, können wir sicher nicht sagen. Im gleichen Gemeindebrief schreibt Edith Naujoks z.B. über die Betreuung der Familie im Kirchenasyl, für die eben auch materielle Unterstützung nottut.

Vielleicht nennen wir es also lieber „Spenden“ – das hilfreiche Geben, das nach biblischem Verständnis dem Gebenden ebenso zugutekommt, wie dem Empfangenden. Aber nehmen wir es so wichtig, wie der alte Tobias es dem jungen Sohn gleichen Namens zum Vermächtnis macht: daß es nicht auf die Menge und Höhe der Beträge ankommt – die sich am Möglichen orientieren -, sondern auf die grundsätzliche Bereitwilligkeit zum Sehen wie zum Tun.
„… hilf aus Barmherzigkeit mit dem, was du hast. Sei nicht kleinlich, wenn du Gutes tust. Wende deinen Blick niemals ab, wenn du einen Armen siehst, dann wird auch Gott seinen Blick nicht von dir abwenden. Hast du viel, so gib reichlich von dem, was du besitzt; hast du wenig, dann zögere nicht, auch mit dem Wenigen Gutes zu tun.“ So ist die Stelle in der (alten) Einheitsübersetzung zu lesen. Und ich wünsche uns eine auch in diesem Sinne gute und ertragreiche Zeit –

Ihre Pfarrerin
Dagmar Tilsch.