Biblisches Wort

Liebe Gemeinde,
Hiob ist die eine literarische Figur, die Teil einer Erzählung in der Bibel ist, an der sich die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes immer wieder entzündet. Denn trotz des gottesfürchtigen und guten Lebens, das Hiob vorzuweisen hat, wird dieser geplagt und gepeinigt durch Schicksalsschläge, die seine Familie ins Unheil stürzen und die ihn von Kopf bis Fuß mit Geschwüren leiden lassen.

In seinem Leiden beginnt Hiob, gemeinsam mit seinen drei, bald vier Freunden zu klagen, aber auch zu ergründen, was das Fundament seines Lebens und Glaubens ist und ja – vielleicht auch – woher die Plagen kommen, die ja ihren Ursprung in der Wette Gottes mit dem Satan haben (was ja nur der Lesende weiß und nicht Hiob selbst).

Es ist ein Streiten, ein Ringen und Kämpfen um die Frage danach, wie ein guter, ein gerechter Gott solch einen Schicksalsschlag zulassen kann, zumal Hiob ja, wie gesagt, stets überaus fromm und gottesfürchtig gelebt hat.

Und so überrascht und berührt mich zugleich – seit ich das erste Mal mit dem großen Leid Hiobs in Kontakt gekommen bin – Hiobs große Leidensfähigkeit, seine Geduld, aber vor allem sein festes Vertrauen, sein Glaube an einen gerechten, einen guten Schöpfer und Lenker der Welt, der auch im größten Leid Hiobs zu ihm steht, der will, dass Hiob lebt. Natürlich ist Hiob wütend und unsagbar traurig über sein unfassbares Leiden. Doch über allem Hadern und Wüten steht immer wieder seine unverwüstliche Treue und Dankbarkeit über Gott den Schöpfer und Lenker der Welt.

Niemals käme ich auf den Gedanken, dass ich in einer vergleichbaren Situation die gleiche Stärke und Zuversicht aufbrächte, dass auch ich Hoffnung und Dankbarkeit sähe, wo doch eigentlich längst Trostlosigkeit und Wut alles dominieren.

Und doch ruft Hiob seinem Freund Bildad zu: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Ich weiß, dass er sich als Letztes über dem Staub erheben wird. Ich weiß, dass ich letztlich Gott schauen werde.

Es ist die unverbrüchliche Gewissheit, die über den Hoffnungsglauben des Hiob noch hinausgeht, die uns Trost spenden kann. Hiob weiß, dass er Gott schauen wird. Es ist eine Gewissheit, die den Kern seines Lebens und Handelns ausmacht und die unauslöschlich alle Wut und alle Trauer auffängt und getrost in die Hand des einen legt, der uns niemals alleine lässt, und in dessen Taufe wir immer Anteil haben werden an Gottes großer Herrlichkeit.

Es wischt die Trauer und Wut nicht einfach nur zur Seite, sondern es spendet Trost in der Gewissheit, dass Gott unser Leben unwiderruflich umfängt.

Gottes Segen für Sie
Ihr Pfarrer Paul Bismarck