Biblisches Wort


Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6

Ganz am Ende der Bibel stehen diese Worte. Sie entstammen der Feder eines Verbannten. Auf der Insel Patmos sitzt der Seher Johannes und hat ein starkes Trostbild vor Augen: Einen Himmel und eine Erde, wo kein Leid, kein Geschrei mehr sind. Zu dieser Zeit wird selbst der Tod nicht mehr sein, und Gott wird abwischen alle Tränen von den Augen der Weinenden.

Die größten Visionen kommen nicht aus den Stuben der Satten und Mächtigen. Die größten Visionen kommen aus den Herzen derer, die ganz unten sind. Diese Zukunftshoffnungen gilt es, ins eigene Herz hineinzunehmen.

Ein Gemeinwesen muss von den Rändern her beurteilt werden. Diese ganze bewohnte Erde gilt es aus der Perspektive derer zu sehen, die unten sind. Das setzt alles ins rechte Maß! Das rückt alles ins rechte Licht!

So denken wir Christen an der Schwelle zum Jahr 2018 in vollem Bewusstsein an die, die im Elend sind.
Zu Weihnachten gilt ihnen unsere Solidarität, wenn wir unsere Kollekten für Brot für die Welt geben.
An der Schwelle zum neuen Jahr gelten unsere Gebete ihnen, damit sich ihr Leid wendet. Das Beten und das Tun des Gerechten gehören untrennbar zusammen. Auch daran werden wir immer wieder erinnert von Schwestern und Brüdern aus armen Kirchen, aus armen Ländern dieser Welt.

Bis zum Jahr 2030 wollen die Menschen guten Willens dahin kommen, dass niemand auf der Welt mehr hungert und dürstet. Dieses Ziel ist nicht utopisch. Es hat eine Chance, wenn noch mehr Menschen ihren Gebeten Taten folgen lassen. Wäre das nicht wirklich befreiend, wenn in naher Zukunft alle Menschen auf der bewohnten Erde von der Quelle des lebendigen Wassers trinken könnten, ganz ohne Geld dafür zu bezahlen?

Veränderungen zum Wohle der Menschen haben meist mit Visionen und Träumen angefangen. Es braucht solche Bilder, wie sie der Seher Johannes auf Patmos vor Augen hat, damit Menschen in Bewegung geraten. Die Kraft des Bildes von der Quelle des lebendigen Wassers, das kostenlos für alle Menschen fließt, wird uns beflügeln, wenn wir das Bild in unser Herz aufnehmen. Seine Kraft wird uns ermuntern zum Beten und zum Handeln, dass das Leben auf Erden zu einem befreiten Leben wird und es eines Tages keine Ränder mehr gibt, von denen her unser Leben hier in einem trüben Licht erscheint.

Pfarrer Johannes Heyne